Erfasst:  15. April  2003, 15:06 Uhr    home  -   DerBUND
Der Bund 16.4.2003-Seite 18- Reto Wissmann- "Traufkinder" sind der Beweis
In Bellmund sind archeologen auf die Reste eines Clunazenser Klosters gestossen.

Bern
Kloster-Überreste in Bellmunder Privatgarten gefunden

Cluniazenser / In Bellmund bei Biel haben Archäologen Überreste eines ehemaligen Cluniazenser-Priorats gefunden. Nach den Spuren des Klosters hatte man seit Generationen vergeblich gesucht.

sda.  Das Kloster soll laut schriftlichen Quellen im frühen 12. Jahrhundert bestanden haben und nach der Gründung des Priorates auf der St. Petersinsel allmählich in Vergessenheit geraten sein.

Das hartnäckige Ausbleiben archäologischer Spuren führte dazu, dass die Überlieferung angezweifelt wurde, die unter anderem von einem Priorat und einer späteren Kapelle des heiligen Gangulf spricht. In der Bellmunder Dorfchronik ist denn auch davon die Rede, dass «der Geheimnisschleier über dem Standort von Kapelle und Prioratshaus nie mehr gelüftet werden kann».

Skelette und Kirchenbau

Nun ist die Wissenschaft aber doch noch fündig geworden: Nachdem bei einer privaten Hauserweiterung am Holenweg Mauerreste zum Vorschein gekommen waren, leitete der Archäologische Dienst des Kantons eine dreiwöchige Notgrabung ein. Dabei kamen mächtige Fundamente einer Kirche und Skelette aus der Zeit um 1100 zum Vorschein, wie das Amt für Information heute Dienstag mitteilte.

Älteste der gefundenen Spuren lassen darauf schliessen, dass auf der Anhöhe zunächst ein römischer Gutshof lag. Die römische Mauer wird durchschlagen vom Westteil eins Gebäudes mit 1,2 Meter dicken Fundamenten, bei dem es sich um den ehemaligen Kirchenbau handeln soll.

Traufkind als Indiz

Belegt wird dies unter anderem durch das Skelett eines sogenannten Traufkinds. Traufkinder sind ungetauft verstorbene Kinder, die so nah an die Kirchenmauern beigesetzt wurden, dass bei Regen Wasser vom Dach der geweihten Kirche auf das Grab tropfte und eine Taufe nach dem Tod vollzog.

Die Funde lassen zusammen mit den seit 1850 immer wieder gemachten Grabfunden für die Archäologen eindeutig den Schluss zu, dass es sich bei den Fundamenten um die historisch überlieferten Bauten der Cluniazenser handelt. Parallelen zu Leuzigen, Münchenwiler und Petersinsel

Der Bau stehe vom Grundriss jenen des nahe gelegenen Cluniazenser-Priorates Leuzigen und von der Bautechnik auch jenen von der St. Petersinsel und von Münchenwiler nahe.

Redaktion: Michael Fankhauser