Nachwort  

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Ausgangslage für diese Aufzeichnungen bildete der Wille die erhofften geschichtlichen Fragen im Vor- und Umfeld der 700-Jahrfeier gelöst zu sehen. Das erkannte geschichtliche Vakuum, der Mangel an Substrat, geistiger Nahrung, kultureller Auseinandersetzung, die eigene Ratlosigkeit der Geschichtler überwog aber bei weitem. Dem "Gwunder" folgend, wurde aufgezeichnet, der Selbstkontrolle des Verständnisses willen. Es wäre möglich gewesen, was modern ist, eine Art Roman daraus zu machen. Weil hinter einer Romangeschichte sich aber die Spur des roten Fadens episch verliert, folgte der Verfasser dem Ratschlag Friederich Dürrenmatt's, den er selber nie befolgte hatte, dem erbarmungslosen Stoff Geschichte nichts hinzuzudichten. Viele Fragen bleiben alles andere als gelöst. In vielfacher Hinsicht entstand aus schlichtem Nichtwissen und Ignoranz, eine Ahnung und Fastgewissheit, Theorien. Aus purer Ahnungslosigkeit entstanden Theorien, konkretere Fragenstellungen, Versuche von Antworten, aufgezeichnet in Hunderten von Stunden, jetzt zurückgelassen mit "Wert und Unwert".

Die Ursprünge des ERBE der Schweiz am Beispiel gerade meiner Hochalp näher zu suchen, regte an. Dasselbe kann an jedem anderen Flecken unternommen. Ein Manko haben alle diese Arbeiten. Die Geschichte des frühsten germanischen Mittelalters bleibt in jeder Beziehung, der Ausgangspunkt zum Verständnis unserer deutsch-alamannischen, burgundisch-französischen, italienisch-langobardischen oder etruskisch-rätoromanischen Geschichte. Der Grundsatz dass jeder "frei" werden konnte, dazugehören konnte, im Kampf, durch Einkauf, war urgermanisch. Daraus entstand die Demokratie, nicht als schweizerische Erfindung, aber in veredelter geschliffener Form. Daraus entstand der Adel, als Primus sine pares. Daraus entstand das Ausländerrecht, als das Recht derer, die nicht dazu gehören, zu den "Freien". Die Befreiung der Schweiz ist eine "interne" Geschichte, die "Befreiung" der Kelten, dem Sklavensubstrat des G.J. Caesar's. Die keltische Kultur geht in der Germanischen vollständig auf. Helveter, das sind Besiegte Roms, Sklaven der Germanen, dann verbündete gegen die Habsburger: Befreit und in Korporationen gegründet ab dem 14.Jh. Die Kelten erscheinen uns aufgerieben zwischen Rom und dem Germanentum. Das Germanentum übernimmt Rom. Das Mittelalter liegt definitionsgemäss zwischen dem römischen Reich (450) und der Renaissance (ab 1600). Die Renaissance der feudalen Strukturen Rom's pflegte wieder imperialen Stil. Zwei urgermanische Entwicklungen des Adels/Odals trafen sich, als Ludwig XIV. in Toulouse die Obwaldner zum Hochzeitsmahl lud.

Die heutige Schweiz entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als germanisches lebendiges Relikt, Fossil, welches sich den feudalen Strukturen des gross und grösser gewordenen Odals (Adels) erfolgreich entgegensetze. Mit eigener kleinfeudale Strukturen pflegten die Eidgenossen sich selber, wie die Vogteien zeigen. Erst die zweite Eidgenössische Verfassung von 1874 bringt das allgemeine Wahlrecht, gegen die Stimmen der Innerschweiz! Bis heute (1994!) leben grundsätzlich feudale Strukturen über das Eigentum und die Kantonalen Verfassungen fort: In den Korporationen und Burgergemeinden. Diesen Stellenwert bewusst und ohne mythische Verfremdung zu erkennen, stellt den Gewinn dieser Arbeit dar. Schwer überwindbares Hindernis bildete die eigene humanistische Erziehung, die von der Renaissance entwickelten Bilder, welcher die Erziehung huldigte. Die grossen germanischen Bewegungen, welche zuletzt ideologisch durch den Nationalsozialismus verfremdet und missbraucht wurden, boten eine weitere psychologische Hürde, welche es wie einen Schatten auszulichten galt. Gerade deshalb wurde es immer wichtiger den mythischen Verfälschungen keine eigenen mythischen Verfälschungen entgegenzusetzen, sondern "Erkenntnisse" offen darzulegen. Wir Schweizer in Europa müssen es lernen, wie die Nordländer, mit denen wir so vieles gemeinsam haben, sie in der Geschichte der Wikinger des 9.Jh., unsere eigenen kulturellen Werte aus der Völkerwanderung, welche -200 begann, als Grundlagen zu erkennen und daraus unser kulturelles "Betriebssystem" zu destillieren, wie etwa zum Verständnis unserer Demokratie, oder der äusseren Urform der Landsgemeinden.

Die germanischen Elemente bieten noch heutig die politische Grundlage vielfältiger, eigenständiger, "schweizerischer" Auffassungen. Die germanischen Zuwanderer formten zuerst das Frankenreich, wo sie sich mit den romanischen Kelten vermischten. Sie formten als Alamannen aus dem heutigen Ostdeutschland über die Schwäbische Alp herkommend und Süddeutschland ab Ende des 4. Jh. die heutige deutsche Schweiz. Schon früher hielten sich Alamannen und ihre befreundeten Burgunder, die ebenfalls aus dem Gebiet der Südelbe hergewandert waren im Bassin (a)Lémanique auf. Die Burgunder zog es bald südwärts nach Lyon in die Haut-Sovoie weiter. Die feudalistische Bewegung der Franken über ihre Mitgermanen lässt sich mit römischen Einflüssen erklären und als Gegenwehr, gegen die nachrückenden ewig kriegerischen (germanisierte) Rhäter, Alamannen, Wisigoten und Burgunder. Gewissermassen vorerst als Notwehr, dann als eine Art "Endlösung" der Bruderkriegsfrage und des Krieges gegen die östlicheren Völker die Sachsen und Slaven. Während in Frankreich die feudale Herrschaft über die zahlreiche gallo-keltische Bevölkerung, welche 85% ausmachte, einfach nahtlos übernommen werden konnte, im Gegenzug diese Kultur, nicht aber die Rechtssphäre, stärker gewesen sein muss als das germanische wurden diesen Germanen romanisiert. Es bildete sich eine Sprachgrenze heraus, welche früher weit südlicher verlief, als heute. Auch in der deutschen Schweiz gab es zweifellos romanisierte Kelten. Sie wurden aber vollständig germanisiert. In der Sprache gibt es Überbleibsel, welche die keltische Bevölkerung nachweisen. Die These dieser Arbeit will es, dass die Kernser und die Nidwaldner mehrheitlich gallo-keltische Bürger darstellten, während die Obwaldner 2/3 der Alamannen stellten. Die These von Wernli, wonach Waldstätte ursprünglich Welschstette hiess, stützt diese These. Dieses gallo-keltische Bevölkerungssubstrat bildete ab 746 in ganz Europa das feudale Fundament der Franken, auch in den Waldstätten, verwaltet durch die Klöster. Die Folgen blieben nicht aus. Die feudalen fränkischen Strukturen führen zu Gegenbewegungen. Die spätmittelalterliche Freiheitsbewegung lässt sich an der geschichtlichen Entwicklung unserer Vorfahren, ob Germanen oder nicht, nachvollziehen. Die nichtgermanische Bevölkerung der Innerschweiz, ehemalige Kelten, alpine Urbevölkerung, Angesiedelte nahmen am germanischen Rechte teil, welches ihnen Freiheit, Korporationsfähigkeit durch die Siege des 14. Jh. beschwerte. Die vorangegangene fränkisch-habsburgische Feudalisierung, welche auch die brüderlichen Alamannen schwer und direkt bedrohte setzte sich, für Europa einzigartig, im Gebiete der Eidgenossen nicht durch. Die Feudalisierung, perfektioniert durch die Franken als Erben Roms, mit List und Lüge der Pseudoisidorischen Schenkung errungen, sie erfolgte ebenso nach germanischer Verfassung, wie die Gegenentwicklung der Eidgenossen. Die helvetischen Gallier der Innerschweiz erkämpften sich nach 1368 Jahren vormals römischem Joch germanische Freiheit. Der gemeinsame Feind, die feudalen Brüder, Franken und Habsburger brachten es fertig die Innerschweizer durch den Schmelztiegel der kulturellen Verschmelzung zu legieren. Sonst überall in Europa führte die Entwicklung alle in die feudalistische Enterbung. Hier liegt der Sonderfall Schweiz, historisch gesehen. Diese Entwicklung hinderte bis 1848 niemanden die Aargauer, die Thurgauer, die Rheinthaler in die feudale Pflicht der Eidgenossen zu nehmen. Die Schweiz von heute ist ein Kind der Verfassung von 1874. Die Berner Burger taten ebensolches mit dem Oberland und dem Simmental oder mit dem Emmental, welchem sich auch Luzern zuwandte. Wesentlich erscheint der Umstand, dass Freiwerden eingeschränkt noch möglich war, während die Entwicklung im Frankenland um Ludwig den XIV und in Deutschland oder Österreich abgeschlossen war. Die Schweizer Freien wirkten im Status wie kleine Adelige, denn der freie unabhängige Status Einzelner, war und ist einzigartig. Das NEIN der Deutschen Schweiz stellt deshalb auch eine Frage dar, ob diese einzigartige Stellung möglicherweise mit dem Beitritt zum EWR und nur EG aufgeben würde. Da diese Frage rational nicht ausreichend aufgearbeitet worden war, lautete die gefühlsmässige Antwort massiv: NEIN.

Die Geschichte der Germanen stellt die Basis schweizerischer kulturellen Entwicklung und Bewegung dar. Der traditionelle Kinderreichtum, jeder Germane trachtete danach eine eigene Sippe zu bilden, führte zur kulturellen Eroberung von ganz Europa und bis nach Karthago. Auf dieser Basis konstruierte sich das Abendland. Nach dem gleichen Prinzip, wurde Amerika und Australien besiedelt werden künftige Generationen ihre Kultur ausweiten und assimiliert oder nichtassimiliert Besitz ergreifen, Erbe bilden. Keine Mauern und keine Gesetze gibt es gegen das Gesetz der Menge an Menschen, welche neue Lebensräume suchen und beleben. Die kulturell eigenständigen Entwicklungen in französische, italienische, spanische, portugiesische und deutsche Sprachregionen täuschen nur auf den ersten Blick kulturelle Unterschiedlichkeiten vor.

Die Arbeit in beiden Teilen zeigt die europäische Komponente des Mittelalters auf, welche auf der Suche nach der Schweizer-Geschichte, ausgehend von einer Alp in der Zentralschweiz, als meditatives Zentrum des Gedankens gefunden wurde. Vor den Toren der EG stehend, erweist sich eine Besinnung auf die Geschichte des Mittel-alters ebenso wichtig, wie die Zukunftsforschung. Gewissermassen führt uns diese Arbeit "Zurück in die Zukunft".

Der Name "Melchsee-Frutt", ist geeignet das Erbe des Mittelalters und unsere Landes symbolisch synthetisch verständlich zu machen. An diesem Umfeld dieses Namens, wurde beschrieben und studiert, welches unser aller kulturelles Erbe ist. Der Name Melchsee-Frutt kann gewissermassen als Rütli-Sagen-Ersatz genommen werden. Wir bauchen keine erfundenen Sagen, sofern wir unsere eigene Geschichte kennen.

Von diesem Flecken ERBE sollte ein Teil der wahrhafte Geschichte unseres Landes gesucht und erforscht werden. Die ganze Geschichte bis weit zurück vor unsere Zeitrechnung kann und soll natürlich allerorts geschehen und zu einem Mosaik zusammengetragen werden. Es werden noch Jahre und Jahrzehnte, viele Mannes- und Frauenjahre benötigt, um unsere eigene Geschichte zu erfahren.

Die eigene Geschichte zu kennen, ist eine Notwendigkeit, Gebotenheit. Unerträglich ist es, anstelle von Begebenheiten, Sagen und Mythen also Lügengeschichten vorgesetzt zu bekommen, denen niemand zu widersprechen scheint, obwohl die wahren Begebenheiten in Reichweite schlummern. Der Umgang mit dem jeweiligen Mythos setzt unter anderem die Erkenntnis voraus, dass Menschen über den Mythos funktionieren, dass Arbeit, politisches Wirken, gesellschaftliche Leistungen, Institutionen, Firmen aufgrund dieser motivierenden Kraft zusammengehalten und tätig werden. Die Funktionsweise des Mythos als grundlegende irrationale Kraft, für welche sich leben und -sterben lässt, funktioniert bis zur Entlarvung des Tabus, welche diese beschützen. Tabus bewirken Fehlen der Erkenntnisse von Ursachen und Wirkungen. Die Welt funktioniert nach dem System des (Aber-)Glaubens. Tabu's verbieten eine "Hinterfragung". Der weltliche mythologische Dornröschenschlaf kann bei der Geschichtsforschung ansatzweise unterbrochen werden, weil die Distanz zum eigenen früheren, oder fremden Mythos, als unwirksam erkannt werden kann. Ein Schritte in Richtung der Fakten und damit Wahrheit geht mit der Entmythologisierung einer Epoche einher. Weniger wichtig als die Frage, welche Thesen die Zukunft als "richtig" gelten oder als "falsch" zu verwerfen sein werden, ist der Umstand, dass die geschichtliche Wahrheit gesucht und dass sie möglichst oft mal wieder neu durchdacht wird. Sonst geht es uns, wie unseren Vorfahren, wir werden nicht mehr wissen, was war, wahr war, was bestritten war, was falsch war, was wer anders sah und wen man allenfalls nicht sah. Dann erzählt man dann möglicherweise erneut Geschichtchen anstelle behilfliche Hinweise auf die Geschichte.

Diese Aufzeichnung wurden niedergeschrieben um die eigenen Gedankengänge festzuhalten, um nichts zu vergessen und um Ordnung in die Erkenntnisse zu bringen. Sie waren für den Selbstgebrauch gedacht, als Notizen. Sollten sie jemandem ausser dem Verfasser nützen, so wäre ein durchaus erwünschter Nebeneffekt erreicht. In diesem Sinne findet hoffentlich eine Besinnung statt und finden sich Ansätze zu einem - neuen Verständnis der europäischen Schweizer Geschichte. Diese Aufzeichnungen stellen mehr ein Essay, denn geschichtliche Wissenschaft oder Forschung dar. Lieber nachzudenken erscheint wichtiger als sich sich wissenschaftlichen Trugschlüssen zu übereignen. Der Gedanke, die Frage, ist immer der Feind der genormten Antwort.

Michel de Montaigne's 400. Todestag wurde 1992 gefeiert. Montaigne hat uns als 38-jähriger in seinem Turm in der Cascogne, plasmisches Denken vorgelebt*. Die vorliegende Warte, liegt auf einer 1920 bis 2300 Meter über Meer liegenden Hochalp Melchsee-Frutt in der Innerschweiz. Mein Blick schweift nach Westen auf das Totenbett des wohl germanischen Riesen im "Abgschütz". Mancher vermag ihn nicht zu sehen. Der Blick schweift oftmals über den heute künstlichen Melchsee, hin zu den Ruinen, des von Lawinen verschütten Dorfes in der Summerweid. Die wiederkehrenden Kuhreihen im Sommer, das tibetanisch anmutende Beten des Kuhglockengeläutes auf der Alp, das jährliche Fruttschwinget, das unheilig hektische Kommen und Gehen der jungen Älpler zur Zweitbeschäftigung im Tal, kontrastiert mit dem Älpler, der noch das Handwerk der Alpkäszubereitung in der einfachen Alphütte verstand. Die Hektik des Winterausflugsverkehrs, mit welchen die Bahnen quantitativen Tourismus fördern, kontrastiert mit der Ruhe der Berge, beim Fischen auf dem See, auf einer Bergwanderung, bei der Betrachtung der Edelweisse auf dem Bonistock. Die Grundstimmung der Ruhe lädt zum Nachdenken ein. Die Alp wird zum schützenden, ruhigen Turm, angebliches Wappen eines Vorfahren, Hort der vielen Gedanken bis hin zum schönen Alptraum. Die Ruhe wird nur von den Wogen, der sich frei bewegenden Ideen aufgewühlt. Der alte und der neue Tisch im Wohnzimmer des "Melchi" hörten und hören vielen Informanten zu, den Mitteilungen einer Pendlerin zu Geschichten von unten im Flüeli im dortigen Melchi, von überraschend gefundenen angeblich "Chinesischen" Schriften, die im Melchtal plötzlich im Gespräch erwähnt werden. Unterbrochen wird der Erzähler oft nur vom Klirren der Gläser, beim Anstossen mit dem Walliser Dôle Blanche, Muscat oder gar einer Flaschenabfüllung des abenteuerlichen Gletscherweins aus dem Val d'Annivier, dann vom Kreischen der Gabel und Messer im Teller, oder vom Lachen über einen Witz der vielen spielenden Kinder, die sich hier zum Glück noch vorlaut und fröhlich produzieren.

Diese Arbeit bedeutet auch fast EDV-Geschichte. Auf einem IBM 6580 Display-Writing-System IBM Vers. 4,5,6 (einer DOS 1.0 Alpha-Version) begonnen, wurde sie unter IBM TX 4,5, weitergeführt. Sie wird unter WIN 95 bis XP und unter Corell Word-Perfect 7 (heute 13) vorläufig fertig gestellt. Diese Übernahmen und Anpassungen wären eine ganze Geschichte wert. Es gilt auch hier:

"...Ausser man tut es..."

Bern, den 8.3.97


"Das letzte Wort "

Das ERBE blieb bis heute unveröffentlicht und es wird in dieser Fassung , als Manuskript in die Bibliotheken abgegeben oder, auf Nachfrage, auch an Private abgegeben. Jetzt geht es auf das Internet, das jederman zugängliche elektronische Medium. Es musste zu diesem Zwecke noch einmal überarbeitet werden. In den letzten Tagen brachte mir Arsène von Wyss schnell bei, wie man diese Links erstellt. Es hält einem jung, wenn 19-jährige absolute EDV-Freaks einem nicht aufgeben, sondern hoffnungsvoll einem anhalten nicht stehen zu bleiben. So nahm denn diese Überarbeitung Oster-Sonntag und Ostermontag in Anspruch.

Ich danke ich für die Möglichkeit diese Arbeit ins Internet einzuspeisen. Ich bin neugierig, welche Reaktion darauf auf diesem Medium zuteil wird. Ich bin sicher, dass ein Buch, und sei es noch so schön gebunden, in irgend einer Ecke einer Bibliothek vergilben würde. So wie ich die Bücher von Wernli und Schneider oft un- oder wenig gelesen in den Bibliotheken von Luzern und Bern fand.

Für diese Unterstützung möchte ich ihm ebenso danken, wie allen jenen, die mir in den letzten 11 Jahren geholfen haben. Die meine Selbstgespräche mitanhörten und welche meinen Theorien wenn nicht widersprachen, so doch Fragen stellten, welche mich zu einer verständlicheren Sprache gelangen liessen. Ich denke an Dieter Caliezzi, Patrick Sutter, Eric Sulzer, Ueli Schneider und viele andere welche mir Literatur und Videos brachten und aufnahmen, an Dr. h.c. Max Wehren, der mich schriftlich ermunterte weiterzumachen.

Viele sind berufen, wenige auserwählt! In der Zwischenzeit hat sich Staatsarchivar Angelo GAROVI vom Kanton Obwalden für 3 Jahre freistellen lassen und der Obwaldner Kantonsrat sollte am 8.9.95 einen Kredit sprechen, der zu einem Drittel vom LotterieFonds gespiesen werden soll. Der Anlass sei, dass angesichts "des schon lange empfundenen Mangels einer gültigen zusammenfassenden Darstellung der Obwaldner Geschichte einerseits, sowie des bevorstehenden Bundesjubiläums und der Jahrtausendwende anderseits ...die Herausgabe einer Kantonsgeschichte ... zu verwirklichen sei".

Ich gehe davon aus, dass Herr Garovi eine meiner früheren Arbeiten erhalten hat. Eine ganz Frühe habe ich ihm persönlich zugesandt, eine weitere muss zu ihm gelangt sein. Dieser lokale Ansatzpunkt ist löblich, aber ungenügend. Dies hoffe ich mit dieser Arbeit aufzuzeigen.

Dem Kantonsarchivar Garovi, der ganz sicher zu den Berufeneren gehört, wie sie am Anfang dieses Werkleins beschwört wurden, wünscht der Verfasser viel Durchhaltevermögen und viel Unterstützung. Es wird ihm nicht leichtfallen, das Mittelalter zu bewältigen oder die Besiedlungsgesichte durch die Alemannen, welche u.E. weit vor dem 7.Jh angefangen hat namenskundlich allein zu ergründen.  (Angelo Garovi, Obwaldner Geschichte, Staatsarchiv des Kantons Obwalden, Sarnen 2000, ISBN 3-9520429-1-9-).

Diese Arbeit kam aus dem gleichen Bedürfnis heraus und wird zur Feier unseres Bundesstaates aufgelegt, gewissermassen als Spätlese zur 700-Jahrfeier. Diese Arbeit zu würdigen wird wohl einigen wenigen vorbehalten sein, welche vielleicht die rund 4000 Stunden Musse, nicht Muss, des vielen Lesen und Aufzeichnens, etwas abgewinnen können. Wie viele andere Werke muss eines Tages die Arbeit an diesem Thema abgebrochen werden. Das Internet gestattete es jederzeit Atualisierungen vorzunehmen.

Als Ergebnis haben sich neue Erkenntnisse ergeben. Wesentlich erscheint, dass die germanische Seite unserer europäischen Kultur, unserer ethischen und rechtlichen Vorstellungen und geltenden Rechtswirklichkeit, der kulturellen und politischen Wirklichkeit unserer Schweiz schlechthin, als kulturelles ERBE zu oft verkannt und ignoriert werden. Das ist völlig unnötig.

Renaissance und Humanismus leisteten hier keine gründliche Arbeit. Ungebrochen ist der alte Stolz und der Unabhängigkeitswille, der sich im Widerstand zum EG-Beitritt manifestiert: Als von alters her triefendes Misstrauen, gegen jegliche Art der Fremdbestimmung, weht sich der Schweizer und übersieht völlig, dass er sich nicht zu fürchten gehabt hätte.

Ungebrochen ist der Hang zur Vereinsbildung und zum Vereinsleben, als staatsähnliche Gebilde, in welcher Wirklichkeiten gelebt werden, wie in einer Gemeindeversammlung. Ungebrochen ist der Schweizer, stellt sich das ländliche Element gegen die EG-freundlichen Städter, wie eh und jeh, in einem Friedensumfeld das Minderheiten respektiert und grundsätzlich gewaltfreie Lösung bevorzug, wie bei der Gründung des Kt. Jura.

Geschichte ist eine endlose Angelegenheit. Niemals kann sie abgeschlossen oder endgültig oder geographisch beschränkbar sein. Schon gar nicht auf einen Kanton. So führte den Verfasser die Namenssuche Fruttuaria im Juli 1995 nach San Benigno de Cavanese, wo er die eben gerade vom italienischen Staat erforschte ehemalige Benediktiner-Abtei aus dem 10. Jh. unterirdisch zurechtgemacht besichtigen konnte. Solche und andere kleine Bäume der Erkenntnisse und Erlebnisse sind der Lohn für die Arbeit. Möge jeder, der an dieser Arbeit seine Freunde oder Missfallen hat oder eine Erkenntnis daraus pflückt (fructuat!), bedenken, dass niemand auch nur einen Franken Staats- oder Lotteriegeld an diese Arbeit gegeben hat. Es handelt also um ein - Geschenk, dem man wie dem Gaul, ungeniert - ins Maul, schauen darf.

21.09.96/ 31.03.1997- 4.2.2001 -  Ulrich Seiler - Bern und Melchsee-Frutt

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