Der Kirchenbau ist für die frühgermanische Geschichtsforschung massgeblich. Weit mehr als hier behandelt werden kann. Es fällt auf, dass die frühen merowingischen* und späteren alamannischen Kirchen in germanischer Art West-Ost-Richtung angelegt wurden. Die Nähe von römischen Kastellen bei Kirchen deutet auf merowingische Stiftungen hin, welche diese legitimierende Umgebung auch in heidnischer Zeit offenbar gerne suchten. Derart wurden auch die Stifter im Kirchenschiff begraben*. Sehr frühe Kirchen wurden anfänglich aus Holz gebaut, wie am Beispiel der Kirche von Winterthur-Wülfligen belegt werden kann*. Auch die nordischen ersten Kirchen orientieren sich am früheren heidnisch-wikingischen Stil*. Die Ablösung des ex-heidnischen volkstümlichen Stiles ging einher mit der Ausbreitung fränkischen Machtstruktur, verkörpert in der damaligen Einheit von Kirche Staat (Karolingertum). Das Hauskirchentum stellte die Regel dar. Karl der Grosse sprach gültige Kirchendogmen aus. Die englische Eigenkirche stellt die Fortsetzung dieser Entwicklung dar, während die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche das Verhältnis zum Staat in grundsätzlicher Trennung vollzogen. Die Reformation ist nichts anderes als eine Fortentwicklung und Auswirkung des Eigenkirchenwesens. Alamannischen Stifter liessen sich soeben bekehrt, wie die Dame in Bülach/ZH, nach alamannisch-heidnischem Brauch den Kopf im Westen, die Füsse nach Osten, den Blick der aufgehenden Sonne zugewandt beerdigen. Die heidnischen alamannischen Reihengräber wurden in Bülach unweit von der christlichen Holzkirche alle derart erstellt. Aus der jeweiligen Lage liesse sich wahrscheinlich sogar aus den geringfügigen Differenzen die Jahreszeit/Tag der Beerdigung ablesen. Denn kein Grab liegt geometrisch genau parallel zum anderen.
Archäologische Grabungen in Seedorf Bern bestätigen unsere Thesen grundsätzlich und ansatzweise. Unter der 1516 vor der Reformation gebauten Kirchen fanden sich fünf ältere Gotteshäuser, von denen die erste Holzkirche von christianisierten Alamannen auf dem Grundriss eines ehemligen römischen Gutshofes erstellt worden waren. (Der Bund, 26.01.00 - Ausgabe 21, Seite: 29 / Kanton Bern).Die Arbeit der Archäologen des Kantons Bern kann beginnen. Die Zeitbestimmung wird sehr wichtig sein, um die Geschichte des frühen Mittelalters (End-Zeit zwischen römischer Vorherrschaft (ca. anfangs 4. Jh. und Renaissance) nachzuvollziehen. Wir hoffen, dass unsere Theorien und Thesen sich nun prüfen und bestätigen lassen, wonach u.a. zwischen Römern und Alamennankirchenbau eine mindestens 3-400-jährige Pause sich finden wird. Den ersten germanischen Holz-Kirchenbau legen auf kurz nach 746. Wir denken auch, dass sich in ummittelbarer Nähe germanische Reihengräber finden lassen (werden), in welchen die "normalen" Sterblichen weiterhin beigesetzt wurden, unter zunehmender Änderung der Grabbeilagen wie vermehrter Doppel-Devotialien (Kreuze-Hammer).
Baumsärge, welche sich als Totenschiffe interpretieren lassen, welche in der Wikingerzeit und Gegend eine Hochblüte erlebten, finden sich in Bülach, im Münster zu Bern, in der Merowingerkapelle St. Stephan in Biel-Mett (6.Jh.) und Zillis/GR (8.Jh.)*, Bülach/ZH. Sie fanden hauptsächlich in alamannischen Gebieten Verbreitung, in Frankreich wird nur ein Fund mit einer Kopfaussparung im ausgehölten Baumstamm auf dem alten Friedhof des Priorates Sainte-Foy in Coulomiers (Seine-et-Marne) erwähnt. In Holland gibt es in Walcheren (Seeland) bekannte Fundplätze, welche mit der Wikingerbewegung zeitlich zusammenfallen (6.-10 Jh.). In Gross-britanien wurden in Selby (Yorkshire) in the Church Hill, wo einst die Kirche gestanden hatte 14 Eichenbaumsärge gefunden. Eine andere Fundstelle liegt auf dem Schlosshügel von Edingburgh (Schottland). In der Domkirche von Skara /Skara-borg(Schweden) wurden 1889 bei Kanalisationsarbeiten knapp ausserhalb des Seitenschiffes vier Baumsärge entdeckt. In der ehemaligen DDR wurden 72 Baumsärge in West-Ost-Richtung in Wernigerode (Madgeburg) gefunden . Die Forschungs-ergebnisse fränkischer Baumsargbeisetzungen von Wesel/Bislich, wo rund 800 Baumsärge liegen, Eick (Gemeinde Rheinkamp, Kreis Moers/D), Junkerdorf bei Köln, oder Hohenfels (Daun) sind teilweise veröffentlicht. In alamannischen Siedlungsräumen der BRD finden sich Baumsärge im 5.-8. Jh. danach in merowingischen Zeiten ausser im Dom zu Speyer in Rheinlandpfalz nicht mehr*.
In der St. Peterskirche zu Genf konnten fast nahtlos an die Römerzeit eine Basilika des 4.Jh, eine zweite Burgundische, errichtet von Sigismund zwischen 513-515, eine vorromanische und die heutige Kathedrale gefunden werden. Die burgundischen Germanen kamen den Römern und vor allem den Franken sehr viel näher als die Alamannen, welche erst 746, rund 250 Jahre später, als von den Franken besiegte, mit der fränkischen Kultur in Berührung kamen. In dieser Zeit fand die Umwandlung fränkisch-germanischer Namen in französische Orts-Namen statt. Die sprachliche Angleichung der Burgunder an die Franken lässt sich ebenso erklären, wie diejenige der Wisigoten. Ähnlich nahtlos ging offenbar die Christianisierung und Romanisierung ausser in Südfrankreich und im fränkisch beherrschten Land, im rhätischen Graubünden und im Unter-Wallis vor sich.
Die Frage, welche sich der Verfasser ursprünglich einmal stellte, als er eine bloss namenskundliche Arbeit über den Namen Melchsee-Frutt schreiben wollte, lautete: Woher Friedrich I Barbarossa die Kernser Alpen herhatte und weshalb seine eigene Familie - die er auf die Von Eywil (Sachseln) - Seiler (Sarnen) herleitete - auf der gleichen Alp oder in der gleichen Gegend Kuhrechte besitze, die vermutlich schon die Vorvorfahren zusammen und vor diesem mit diesem gleichrechtlich besessen hatten? Angenommen, es handelt sich um eben dieselben ursprünglichen Grundbesitztum des Barbarossa, von Engelberg enteigneten Alp(-Anteile), welche dieser (Bero-) Münster /LU anfangs des 12. Jh. als schon frühere Schenkung, erneut bestätigte, so fragt sich weiter, woher Karl der Grosse diese Kernser "Königshöfe" herhatte, wann er sie erworben hatte und welches der Rechtsgrund war? Antwort und die gefundene, vorgebrachte und ausgeführte Erklärung wird thesenweise darauf hinauslaufen müssen, dass es sich bei Bararossa's fideikommissarischen "Schenkungen" um Teile ehemaliger Besitzungen von vormals römischen kelto-gallischen Bewohnern handelt, welche spätestens seit der Chlodwig-Schlacht in vorerst fränkischen, dann karolingischen und zuletzt via Friedrich Barbarossa in den Besitz des Klosters Beromünster, dann Engelberg und danach als Schlachtbeute wiederum in den Besitz der Kil(r)gänger von Kerns kam. Die Mitteile der früheren Germamen an derselben Alp erscheinen in diesem Lichte fast als logisch. Gar alle Alprechte, wollten die Franken wohl den besiegten Germanen ab 746 doch nicht abnehmen, aber doch eine erquickliche Mehrheit der Rechte. Über die Enteignung des Klosters Engelberg beklagt sich Heer zu Recht, aber ungehört. Im Lichte dieser Arbeitsthese erklären die späteren Fakten der Übereignung der Güter in Kerns aller Leute, sowie der Alpen von Melchsee von Friedrich Barbarossa an Beromünster, noch als leicht nachvollziehbare Materie. So gesehen hätten die Kir (l)gänger von Kerns nach der inneren Befreiung von der äusseren ehemals königlichen und inneren alamannisch-stämmigen Herren, welche 1335 in Wisserlen erfolgte, die Möglichkeit erhalten, eigene Korporationen zu gründen. Die Gruppen der An-den-Rechten-Teilhabenden konstituierten sich anfangs des 15. Jh. zu den heute noch existierenden Korporationen. Dass z.B. die heutige politische Gemeinde Kerns mannigfache Korporationen zählt, hat seinen Ursprung in den unterschiedlichen Rechtsverhältnissen, welche einem bestimmten Personenkreis gemeinsam zugehörten,weil sie mit verschiedenen Grundstücken zusammenhingen. Innerhalb der Korporationen/Zünften bewegte sich bis 1874 das Wahlrecht. Es soll versucht werden eine Erklärung aufzustellen, welche sich als mögliches geschichtliches Verständnis anbietet. Es wird darauf hingewiesen, weshalb diese Arbeit sich nicht von der Alp Melchsee und nicht vom Kanton Obwalden trennen kann und will, weil die Geschichte des mittelalterlichen Erbes der Schweiz am Beispiel Obwaldens fast modellhaft angegangen werden kann. So gesehen wird die Alp Melchsee-Frutt als keltisch-germanischer Real-Ersatz für den offensichtlich unzutreffenden Rütli-Mythos angeboten. Es versteht sich von selber, dass man nicht etwas nehmen darf, ohne etwas anderes, qualitativ besseres, wahreres dafür herzugeben. Es kam bei dieser Arbeit eine Formel heraus, welche fast mathematisch, einen Schlüssel zurück zur eigenen (Schweizer-) Geschichte nicht-, bzw. vor-, bzw. noch-nichtchristlich-urgermanischen Ursprüngen liefert. Zu Oberdiessbach, zu Sachseln, zu Bülach (Bül-Ach), Alpnach, zu Genf und zum Tessin und zu Rhätien: Zu jener Geschichte, welche man uns "Schweizern" 1991 noch vorenthielt, bewusst oder unbewusst: Im Namen der humanistischen Weltanschauung, der römisch-christlichen Tabuisierung. Und: Aus Ignoranz!
Hier wird versucht 1585 +1 Jahre ignorierte germanische Geschichte als These aufzuarbeiten. Aus einer scheinbar einfachen Fragestellung, welche scheinbar nur den Verfasser selber zu betreffen schien, wurde ein Ansatz für eine globale These zur Europageschichte. Trifft die These zu, so erklärt sich folgendendes: Friederich I, Barbarossa und via Kloster Engelberg von ihm, besitzen heute Kernser Kilchner, sowie Freie aus Sarnen, Mitglieder der alten Korporation Frei-Teil Sarnen, heute als Gleichberechtigte, öffentlich-rechtlich genossenchaftlich Organisierte, gesamthandsrechtliche Kuhschwerenteile auf den Alpen Melchsee. Die früheren Kilchner zu Kerns kauften (hweute würde man sagen enteigneten!) das Erben Barbarossa's als Folge der kriegerischen Ereignisse nach 1315. Wenn Private (Kernser, Freiteiler) persönlich heute eine Vielzahl solcher Kuhrechte innehaben, so deshalb, weil diese einerseits allesamt Privates Eigentum waren. Die Korporationen besitzen gesamthänderisch unter sich Kuhrechte, die das Kloster Engelberg, aufgrund der Machtverhältnisse, kraft des Einsetzungsrechtes des Kastvogtes und des Abtes, zum Verkauf an die Gesamtheit der neuen Berechtigten, d.h. Inkorporierten verkauften. Das Kloster war natürlich niemals berechtigt gewesen diese Akpen zu verkaufen. Denn die Klöster traten Familienfideikommisarisches Eigentum an die Kernser ab, welches dem Kloster nie zu Eigentum gehört hatte. Die besiegten Habsburger konnten diese Annektierung des Eigentums ebenso wenig verhindern, wie sie auch die Gerichtsbarkeit auszuüben nicht mehr in der Lage waren. Niklaus von Flüe übte diese Gerichtsbarkeit aus. Er, als Kenner des Rechtes der Väter muss einen grausamen Gewissenskonflikt mit sich ausgefochten haben. Deshalb zog er sich in den Ranft zurück: Weil er diese Politik, an welcher er als Richter teilhatte, nicht ertragen hatte.
Die Geschichte der Alpen der Kilchner zu Kerns, welche Barbarossa einst dem Kloster Münster bestätigte, bilden den Schlüssel zum Verständnis der frühen Schweizer Geschichte. Das ehemals keltische Rütli, der behauptete Bundesschwur, das Weissbuch von Sarnen, Tell und Winkelried, sie sind aber als Waffen der Eidgenossen, als Waffengleicher Mythos unverzichtbar. Als Studienobjekt "Geschichte des Mythos und ihrer Auswirkungen" bleiben sie ein meisterhaftes Lehrstück unserer schlauen Vorfahren: Der eidgenössischen "psychologischen Kriegsführung".
Als Literatur und Theaterstück von Friedrich Schillers Willhelm Tell ist der Mythos zur mythische Wahrheit verdichtet geworden, wahrer als die Wahrheit. Die Brisanz des ehemaligen kultischen Theaters, wie es die Griechen aufführten bis hin zur mythischen Verdichtung einer geschichtlichen Lüge liegt in der Eindrücklichkeit, welche eine "Geschichte" eine Aufführung auf die Menschen haben kann. Wer erlebt hat, wie eine Geschichte von der Bühne auf den Zuschauer überspringt, versteht das Gesagte ebenso, wie derjenige, welcher eine Idee aus einem Buch oder einem Film übernahm, erlebte. Die Auflösung dieses Übermythos geschieht nach den Regeln des Tabus, welches den Mythos beschützt. Fällt das Tabu, entfällt der ideologisch-mythologische Glaube. Eine Kultur, welche daran hängt, kollabiert früher oder später nach den entsprechenden Strukturen. Bei einfach strukturierten Kulturen, Sekten, Bevölkerungen entsteht daraus sogar als Höhepunkt der Massenselbstmord.
Jede Gesellschaft funktioniert nach diesen Gesetzmässigkeiten. Ihre Kenntnis ist der Schlüssel zu dosierter (De-) Stabilisierung. Denkschulen sind in der Lage, in lang-, mittel- und eben auch kurzfristigen Zielsetzungen diese Erkenntnisse umzusetzen.
Zu Bern und im Melchi zu Melchsee-Frutt,
zwischen dem 1.6.1987 und dem 15.02.1997/Stand 26.1.2000